Erinnerungen von damals
Galerie - Alte Ansichten aus Stewwert - Drensteinfurt
Bilder













































Im Rahmen des Tags des offenen Denkmals gab es auch Infos zum ehemaligen Hotel zur Post. Wie selbstverständlich steht es seit Jahrhunderten gegenüber der St.-Regina-Kirche im Herzen Drensteinfurts. Doch auch wenn es heute heruntergekommen und verlassen aussieht, galt es viele Jahre als erstes Haus am Platz.
Im Innern des 400 Jahre alten Gebäudes konnten die Besucher anhand von Schautafeln die Geschichte des Hauses, von seinen Ursprüngen bis zum heutigen Tag, nachvollziehen. Besonders beeindruckte hier eine auf dem Boden angebrachte Zeitleiste, die vor Augen führte, was das Haus seit seiner Erbauung alles erlebt hat. Viele historische Gegenstände, allesamt aus dem Besitz der Familie Gröne, ließen die Vergangenheit noch lebendiger werden.
Dass überhaupt so viele Details der vergangenen Jahrhunderte bekannt wurden, verdankt das historische Gebäude der Hausforschergruppe „Hotel zu Post“, die in monatelanger Recherche und mithilfe einiger Experten erstaunliche Fakten und Geschichten zusammengetragen haben. „Der erste namentlich bekannte Besitzer des Hauses war Johannes Renfert, ein Leibeigener des Schlossherrn von Haus Steinfurt“, informierte Historikerin Liane Schmitz. Diese Leibeigenschaft diente den Renferts eher als Schutz und nicht als ein Art Sklaventum.
„Die Renferts waren hochangesehene und wohlhabende Leute“, unterstrich Schmitz. Dem damaligen Hotel, an einer Straße gelegen, die viele Handelnde auf ihrem Weg nach Münster frequentierten, kam als Quartier eine zentrale Bedeutung zu. „Wir wollen die Bausubstanz des denkmalgeschützten Gebäudes erhalten“, erklärte Liane Schmitz. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Kurt Schmitz sowie mit Christiane Schäpers, Waltraud Havers, Ursula und Manfred Blanke, Helmut Winterscheid, Holger Martsch, Dr. Heinrich Binsfeld und Walter Gröne kämpft sie für eine sinnvolle Nutzung auch in heutiger Zeit.
„Die Bausubstanz ist stabil“, verrät sie, dies habe ein Gutachten von Dr. Fred Kaspar vom LWL Münster bewiesen. „Mit überschaubaren Mitteln kann das Gebäude restauriert werden“, ist sich die Historikerin sicher. „Alte Häuser erzählen ihre Geschichte selber“, begeistert sie sich mit Blick auf riesige Eichenbalken und historische dicke Holznägel. Ihr schwebt eine Art Museumscafé vor, vielleicht mit Übernachtungsmöglichkeit in alten Kemenaten. Vor einigen Jahren, so erinnert sie sich noch mit Schrecken, sollte das Hotel zur Post einem fünfstöckigen modernen Gebäude weichen.
Für die Einrichtung einer Tagespflege für Demenzkranke wurde das Gebäude der Marga-Kamphus-Stiftung umgebaut. Das historische Gebäude wurde fachgerecht saniert und einer neuen Nutzung als Tagespflege zugeführt.
Fotos: G. Münstermann
















Fotos: G. Münstermann







































































































„Früher war es richtig schnuckelig und gemütlich hier“, meint Günter Koch über das alte Drensteinfurt, liebevoll auch „Stewwert“, sprich: „Stäwwät“ genannt. Im Zweiten Weltkrieg hatte ein Bombenangriff auf die alte Ackerbürgerstadt Häuser ausradiert oder schwer beschädigt. Jahrzehnte nach dem Krieg jedoch ging noch viel mehr verloren.
Denn einer falsch verstandenen Stadt„sanierung“ fielen in den Sechziger- und Siebzigerjahren reihenweise Gebäude zum Opfer, und das war der schwerwiegendste Einschnitt in ein über Jahrhunderte gewachsenes Zusammenspiel typischer regionaler Architektur. Diese Bauten, wären sie erhalten und sachgerecht gepflegt worden, hätten den heutigen Ortskern um einige Sehenswürdigkeiten bereichert und damit vermutlich auch für den Tourismus attraktiver gemacht.
Das gemütliche alte Stewwert“ lässt Günter Koch in seiner Kellerwerkstatt neu entstehen. Bereits seit vierzig Jahren arbeitet der über Achtzigjährige beständig an seiner „Stadtgeschichte en miniature“ und stellt seine Kreationen auch immer wieder aus. Sie finden große Bewunderung bei Erwachsenen als auch bei Kindern. Auch frühere Infrastruktur wie das alten Bahnhofsgelände, den Amtshof, verschiedenen Mühlen und ein Strontianitbergwerk lässt Koch als Miniatur wieder lebendig werden. Leider fehlt immer noch ein Raum für eine Dauerausstellung.
Darüber hinaus entwickelte er eine Doppel-Stadtmodell, dass der Heimatverein Drensteinfurt e. V. in seinem Jubiläumsjahr 2019 vor der historischen „Alten Post“ in Bronze gegossen aufstellte. Die beiden, auch von Blinden ertastbare Plastiken zeigen parallel zwei Zustände der Stadtentwicklung, zeitlich gut 200 Jahre voneinander entfernt.
Das Anfang Dezember 2017 erschienene und von Bürgermeister Carsten Grawunder der Öffentlichkeit vorgestellte Buch „Drensteinfurt im Modell“ widmet sich der Arbeit von Günter Koch, dem leidenschaftlichen Modellbauer.
Herausgeber ist die Stadt Drensteinfurt. Die ortsansässige Designerin und Fotografin Gisela Schäper hat Kochs Werke fotografisch gekonnt in Szene gesetzt und das Layout des Buchs visuell ansprechend gestaltet. Ihren Modellbau-Aufnahmen stellt sie Situationen vor Ort gegenüber, wie sie sich heute darstellen. „Das richtige Licht ist entscheidend,“ stellt sie fest, „und ich bin immer wieder zu verschiedenen Zeitpunkten zu den selben Häusern gegangen, um letztendlich die passende Lichtsituation für das Foto zu haben.“ Der Aufwand hat sich gelohnt, denn herausgekommen sind beeindruckende Bilder, die selbst Ortskundige überraschen.
Verfasser der Texte ist Dr. Ralf Klötzer. Der promovierte Historiker, gebürtig aus Frankfurt, wohnt in Münster und kümmert sich dort um das Lepramuseum im Stadtteil Kinderhaus. In Drensteinfurt arbeitet er im Auftrag der Stadtverwaltung seit einigen Jahren die Ortsgeschichte archivarisch auf. Übrigens hat er jeweils Montags während seiner Sprechstunde in der Stadtverwaltung in puncto Stadtgeschichte ein offenes Ohr für alle Bürgerinnen und Bürger.
Das Buch „Drensteinfurt im Modell“ ist ab sofort zum Preis von 24,90 Euro in der Bücherecke, Wagenfeldstraße, und bei der Stadtverwaltung, Landsbergplatz 7, zu haben. Buch Modelbau



































































Zum Gedenken der Drensteinfurter Soldaten, die im ersten Weltkrieg ihr Leben verloren, erinnert seit 1938 ein Ehrenmal am Landsbergplatz. Auf Anregung des Lehrers Franz Schröder wurde das Ehrenmal 1938 erbaut. Zur Erinnerung an die Toten des Ersten Weltkrieges wurde das Kriegerehrenmal am 25. Juni 1938 eingeweiht und nach dem zweiten Weltkrieg für die Toten des Zweiten Weltkrieges nachgewidmet. Zur Rechten und zur Linken Seite wurden einzelne Gedenksteine mit dem Namen der Toten vom zweiten Weltkrieg verlegt. Darunter sind auch die Namen der 63 Toten, die beim Bombenangriff am 23. März 1944 ihr Leben verloren und deren Häuser zerstört wurden. Bei den Schützenfesten der Bürger, Bauern und Jungesellen, sowie am Volkstrauertag werden in Drensteinfurt traditionell am Ehrenmal Kränze niedergelegt, um an die Kriegstoten und die Opfer von Gewaltherrschaft zu erinnern.
Fotos: G. Münstermann





1863 wurde dort das Marienhospital gegründet. Das Grundstück an der Hammer Straße schenkte die Familie von Landsberg. Die Pflege der Kranken übernahmen die Ordensschwestern des Ordens vom Heiligen Franziskus aus St. Mauritz. Die Pflege der Kranken übernahmen die Ordensschwestern des Ordens vom Heiligen Franziskus aus St. Mauritz. Jeanette Möllmann, die seit nunmehr 13 Jahren das Haus leitet, hat im Archiv gewühlt und die Aufnahmebücher aus den ersten Jahren gefunden.
In feinsäuberlicher Handschrift steht dort, dass Franz Hövelmann am 29. August als erster Kranker stationär aufgenommen und 27 Tage wegen Fieber gepflegt wurde. Johanna Grönewäller war die erste Frau, die im Krankenhaus wegen Rheumatismus behandelt wurde. In feinsäuberlicher Handschrift steht dort, dass Franz Hövelmann am 29. August als erster Kranker stationär aufgenommen und 27 Tage wegen Fieber gepflegt wurde. Johanna Grönewäller war die erste Frau, die im Krankenhaus wegen Rheumatismus behandelt wurde. Im Laufe der Jahre entwickelte sich das St.-Marien-Hospital zu einem richtigen Krankenhaus mit vielen Patienten und den unterschiedlichsten Krankheiten. Die reichten von A wie Augenübel bis P wie Pocken. 1909/10 wurde der Anbau eines Erweiterungstraktes notwendig. Dann begann der erste Weltkrieg. Auch in das Drensteinfurter Krankenhaus wurden verwundete Soldaten eingeliefert und dort medizinisch versorgt. Die Schwestern brachten sich nicht nur in der Pflege ein. Sie unterrichteten an der Handarbeits- und Nähschule, die 1920 am Marien-Hospital eingerichtet wurde. Über 20 Jahre lernten junge Mädchen und Frauen das Handwerkszeug, das sie gut im heimischen Haushalt anwenden konnten. In dieser Zeit erhielt das Krankenhaus auch ein eigenes Pumpenhäuschen für die Wasserversorgung. Die Bautätigkeiten ließen nicht nach. In den 1970-er Jahren entstand ein Gebäudetrakt mit Wöchnerinnenzimmer und einem Kreißsaal. 1969 erhielten die Ordensschwestern ihr eigenes Wohnheim. Zugleich kämpften die Verantwortlichen in der Verwaltung darum, dass das Krankenhaus in den Krankenhausbedarfsplan aufgenommen wurde. Ohne Erfolg Somit war die Umwandlung in ein Altenkrankenheim besiegelt. Nach der Reformierung des Krankenhausfinanzierungsgesetzes im Jahr 1985 wurden die letzten Patienten behandelt. Von da an wurden hauptsächlich Bewohner mit Suchterkrankungen aufgenommen. In diesem Jahr verließen ebenfalls die Ordensschwestern das Haus und die Betriebsgesellschaft der Malteser St. Josef aus Bockum-Hövel übernahm die Trägerschaft. Damit änderte sich auch der Name von St.-Marien-Krankenhaus zu Malteser-Altenkrankenheim St. Marien. Und wer einmal einen Gottesdienst an einem päpstlichen Altar erleben möchte, der sollte die Kapelle des Altenkrankenheims besuchen. Der damalige Bischof Reinhard Lettmann nämlich schenkte dem Haus den Altar, an dem Papst Johannes Paul II. bei seinem Besuch in Münster auf dem Schlossplatz die Messe zelebrierte. Das päpstliche Siegel sei deutlich zu erkennen.
Fotos: Archiv W. Bockholt, G. Münstermann










Die Pfarrkirche St. Regina ist eine der Heiligen Regina gewidmete Pfarrkirche, die nördlich von der Mühlenstrasse zwischen der Altstadt und dem Haus Steinfurt in Drensteinfurt liegt. In den Jahren 1783 bis 1789 wurde sie auf dem Fundament einer um 1170 errichteten Wehrkirche erbaut und um zwei Seitenschiffe erweitert. In den beiden Seitenschiffe befinden sich vorne rechts ein Marienaltar, links ein Katharinenaltar, sowie jeweils zwei Beichtstühle. Im Langhause und dem Chorraum wurde die Kassettendecke im Jahr 1894 aus gestanztem Zinkblech gefertigt. Umlaufend enthält diese eine lateinische Inschrift: „IESU CORONA VIRGINUM, QUEM MATER ILLA CONCIPIT, QUAE SOLA VIRGO PARTURIT: HAEC VOTA CLEMENS ACCIPE. QUI PERGIS INTER LILIA, SEPTUS CHOREIS VIRGINUM, SPONSUS DECORUS GLORIA, SPONSISQUE REDDENS PRAEMIA.“
„Jesus, du Krone der Jungfrauen, den jene Mutter empfangen hat, die als einzige als Jungfrau geboren hat, nimm unser Flehen auf, der Du wandelst unter Lilien, umgeben von den Chören der Jungfrauen, ein Bräutigam mit Herrlichkeit geziert und Deinen Bräuten Lohn verheißest“ Der rechteckige Chorraum wird von einem Hochaltar, in dem sich auch der Tabernakel befindet und die zweigeschossige Nordsakristei mit der Patronatsloge des Hauses Steinfurt von zwei Sakristeien flankiert. Die zweigeschossige Orgelempore samt Orgel liegt über dem Westportal und das Hauptschiff wird von mehreren Heiligenstatuen eingerahmt. Im nördlichen Seitenschiff steht das romanische Taufbecken aus dem 20 Jahrhundert und im Langhause rechts befindet sich die Predigtkanzel. Die Kirchenglocken aus den Jahren 1515, 1523, 1652 und die 1485 gegossene Uhrglocke in der Kirche wurden vor dem Krieg gerettet, zumal zwei von ihnen am 23. März 1942 vor dem Kirchenportal zur Abholung bereit standen. Die letzte große Renovierung erfolgte Ende 2007 - März 2008, die einige Änderungen mit sich brachte. Vorne im Chorraum wurde ein neuer Zelebrationsaltar mit dem Reliquiar einer Reliquie der selig gesprochenen Schwester Maria Euthymia aufgebaut, wobei die ersten Sitzbänke für die Kirchenbesucher weichen mussten. Die neu renovierte Kirche wurde am 12. März 2008 von Weihbischof Franz-Josef Overbeck in einem Pontifikalamt feierlich eingeweiht. Ouelle: wikipedia.de, W. Bockholt, Heimatverein Drensteinfurt
Fotos: Archiv W. Bockholt, G. Münstermann



















Die evangelische Martinskirche befindet sich zwischen der katholischen Pfarrkirche und dem Bahnhof, gegenüber der Stadtverwaltung und dem Landsbergplatz. Bevor die Martinskirche gebaut wurde, gab es evangelische Gottesdienste im Bahnhofsaal und ab 1935 in der Schule am Südwall.
Auch hier wurde die Schule zu klein und die Gottesdienste wurden ab 1948 in einer Notkirche (einer Baracke der Bundesbahn) am Kirchsteig abgehalten. Die Gemeinde wuchs, so dass auch die Notkirche nicht mehr ausreichte. So wurde nach langer Planung 1956 mit dem Bau der Martinskirche an der Bahnhofstraße begonnen. Der Bau der Martinskirche ging zügig voran, zumal die Gemeindemitglieder tatkräftig mit anpackten. Am 30. Juni 1957 wurde die Kirche eingeweiht und erhielt den Namen "Martinskirche". Im November 1957 wurden die drei Glocken geweiht. In den sechziger Jahren erhielt die Martinskirche neue bleiverglaste Fenster, einen roten Teppich, Paramente in den liturgischen Farben, 1964 eine Orgel und eine Läutemaschine für die drei Glocken, die die Gemeindemitglieder durch Spenden angeschafft hatten. In diese Zeit fällt auch die Fertigstellung des Pfarrhauses, das zum Küsterhaus umgebaut wurde. Das Gemeindehaus, das sich architektonisch der Kirche anpasst, wurde 1992 angebaut. Ouelle: wikipedia.de, W. Bockholt, Heimatverein Drensteinfurt
Fotos: G. Münstermann





Malchen Reinhaus, die Witwe des verstorbenen Synagogenvorstehers kaufte 1870 für 210 Thlr. ein Gartengrundstück vom Schuster Everhard Klaverkamp. Auf diesem Grundstück wurde das kleine Bethaus 1872 in zentraler Lage zwischen Mühlen- und Münsterstrasse hinter der Katholischen Kirche errichtet. Es handelt sich hier um ein kleines Backsteingebäude, das sich unauffällig in die Reihe der Nachbarhäuser einfügt. Das hohe Bogenfenster und das in hebräischen Lettern gemeißelte Psalmwort über dem doppeltürigen Eingang läßt sich auf eine jüdische Nutzung hinweisen. Im Innern befindet sich an der Westseite eine Frauenempore, die über eine hölzerne Treppe zu erreichen ist. Sie blieb im Krieg unversehrt. An der Ostwand markiert eine weiße Fläche die Stelle, an der sich bis zur Zerstörung der Toraschrein befand. Die Synagoge wurde in der Reichspogromnacht des 09.11.1938 schwer verwüstet. Im Jahr 1939 musste das Gebäude verkauft werden. In die achziger Jahre diente die Synagoge als Lagerschuppen, blieb überwiegend leer, von der Inneneinrichtung abgesehen, blieb sie in einen guten unverserten Zustand.
Das Synagogengebäude wurde 1985 unter Denkmalschutz gestellt und 1988 kaufte die Stadt Drensteinfurtmit mit Mitteln der Landesregierung und des Kreises Warendorf, um das Gebäude zu restaurieren. Die Stadt erhielt eine europäische Auszeichnung für die „eindringliche und behutsame Wiedergewinnung eines kleinen, aber wichtigen Denkmals jüdischer Tradition in Westfalen als Kulturstätte mit erinnerndem und mahnendem Charakter. In Zusammenarbeit mit dem "Förderverein Alte Synagoge e.V." entwickelte man ein neuen Nutzungsplan und realisiert seit 1992 kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen, Vorträge und Ausstellungen in der ehemaligen Synagoge. Über das allgemeine kulturelle Angebot hinaus soll die ehemalige Synagoge auch ein Lehrhaus sein: ein Ort des Lernens über jüdische Geschichte und Religion, über gesellschaftliches Verhalten von nichtjüdischer Mehrheit und jüdischer Minderheit und allgemein über den Umgang einer Mehrheitsgesellschaft mit Minderheiten, sowie die Vernichtung der jüdischen Bürger Drensteinfurts und ganz Europas wachgehalten werden, um die Wege zu einer toleranteren Gegenwart und Zukunft aufzuzeigen".
Fotos: G. Münstermann


Der jüdische Friedhof wurde 1826 an einer Stelle, die im Mittelalter einen Begrenzungspunkt Wigbolds ausmachte, und die bis ins späte 18. Jahrhundert als Hinrichtungsplatz genutzt wurde, angelegt. Ouelle: wikipedia.de, W. Bockholt, Heimatverein Drensteinfurt
Der Begräbnisplatz wurde 1891 erweitert, zumal die Gemeinde größer wurde. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde der jüdische Friedhof von nationalsozialistischem Vandalismus verwüstet und zerstört. Die Besitzer der Nachbargrundstücke scheuten sich nicht Grabsteine zu entwenden, um Grabenböschungen damit abzustützen. In der Zeit von 1826 bis 1939 gab es insgesamt 63 Bestattungen. Die letzte Beisetzung jüdischer Mitglieder erfolgte 1939. Das älteste Grabdenkmal stammt aus dem Jahr 1853, die jüngeren sind zwischen 1868 und 1939 entstanden. Für die Instandsetzung des jüdischen Friedhofs sorgte die Drensteinfurter Stadtverwaltung Mitte der 1950er- und der Förderverein Alte Synagoge restaurierte einige noch wenige Grabsteine in den 80er Jahren. Ein Gedenkstein mit hebräischer Inschrift erinnert auf dem jüdischen Friedhof an Malchen Reinhaus, die im Jahr 1883 starb.
Fotos: G. Münstermann







In der Innenstadt von Drensteinfurt befindet sich der „Alte Friedhof“ an der Marienstraße, der von den Einwohnern stark frequentiert wird. Das Gebiet wurde bislang von den drei Schützenvereinen und dem Spielmannszug gepflegt und jährlich ein Baum gepflanzt. Die Bäume wurden vom Heimatverein mit Nistkästen und einer Steinkauzröhre versehen. Die Bezirksregierung Münster hat dem Heimatverein am 17. Oktober 2019 eine Unterstützung aus dem Förderprogramm „Heimat“ gewährt. Für die Aktion „Begegnungsplatz alter Friedhof“ wurde ein Scheck über 2.000€ gewährt. Zwei Sitzbänke und eine Erneuerung der Bepflanzung wurden errichtet, um die Attraktivität um den Bereich der alten Priestergräber zu steigern.
Bericht und Foto: Dietmar Jeschke WN 14.06.2012 -
Die Tore sind frisch gestrichen. Und die beiden alten Ziegelpfeiler abgestrahlt und nachgefugt. Der Rasen ist frisch gemäht. Und auch die ersten Bäume sind erfolgreich angegangen. Ein Bild, das vor sieben Jahren noch ganz anders aussah. Verwuchert, verwildert und ziemlich heruntergekommen präsentierte sich der alte Drensteinfurter Friedhof an der Marienstraße . Bis einige engagierte Bürger die Initiative ergriffen, um das historische Areal mit Hilfe der Schützenvereine und des Spielmannszuges auf Vordermann zu bringen. „Dieser Friedhof soll nicht in Vergessenheit geraten. Denn schließlich ist er schon ein Stück Stadtgeschichte“, sagte Günter Koch.
Gemeinsam mit Pastor Walter Gröne vom Heimatverein, der städtischen Wirtschaftsförderin Ute Homann sowie mit Astrid Bremer von der Unteren Denkmalbehörde und Reinhard Bünnigmann, Mit-Initiator der Friedhofssanierung, hatte sich Koch vor den Toren des alten Bestattungsfeldes getroffen, um ein ungewöhnliches Modell zu präsentieren: Eines, das den Friedhof, dessen Eingangstor und die verbliebenen Gräber so zeigt, wie sie tatsächlich einmal ausgesehen haben. Samt der beiden filigran gearbeiteten Statuen, die einst das Eingangstor flankierten und die heute fehlen. Der Heilige Josef als Schutzpatron der Arbeit gilt als verschollen. Die Heilige Barbara als Schutzpatronin der Bergleute hat jedoch die Jahrzehnte überdauert – und steht heute auf dem Gelände des Hauses Steinfurt.
Dass die Heilige Barbara einst vor den Friedhofstoren gestanden hat, hatte einen handfesten Grund. Denn angelegt wurde der Friedhof in der Blütezeit des Strontianitbergbaus in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Nachdem es gesetzlich verboten war, Bestattungen, wie seit der zweiten Hälfte des neunten Jahrhunderts üblich, rund um die Pfarrkirche vorzunehmen, musste eine neue Fläche gefunden werden. 1875 wurde deshalb der neue Friedhof an der Marienstraße hergerichtet. Letztere heiß damals übrigens mit Blick auf ihre Bedeutung als Trauerweg „Kirchhofstraße“ oder „Schwarzer Weg“, bevor sie später zur „Riether Straße“ und schließlich zur „Marienstraße“ wurde.
Die beiden heute verschwundenen Symbolfiguren am Friedhofseingang waren ein Geschenk der Dessauer Bergbaugesellschaft, die westlich der Kernstadt auf das damals noch für die Zuckerproduktion benötigte Strontianit gestoßen war und dieses etwa bis zur Jahrhundertwende förderte.
Anfang des 20. Jahrhunderts war dann auch der zweite Drensteinfurter Friedhof komplett belegt, so dass abermals eine neue Fläche gefunden werden musste. Der neue Friedhof entstand am Merscher Weg. An Allerseelen 1916 wurde er eingeweiht. Bis heute – stolze 96 Jahre später – dient er als Ort der letzten Ruhe.
Um den Friedhof an der „Kirchhofstraße“ wurde es nach der Einweihung des Grabfeldes am Merscher Weg ruhig. Weshalb er nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs neu „geordnet“ wurde. Bis auf wenige Ausnahmen wurden alle Grabstätten eingeebnet. Denkmäler und Grabeinfassungen wurden entfernt. Und auch die zahlreichen „Lebensbäume“ – ein Zeichen ihrer Zeit – wurden beseitigt. Die geebnete Fläche wurde eingesät und mit Strauchwerk bepflanzt. Ein Jägerzaun diente als Abtrennung zur Straße.
Erhalten blieben lediglich die um das Auferstehungskreuz – heute handelt es sich um das ehemalige Kreuz der Leichenhalle – angelegten Grabstätten der Pfarrer, Lehrer und Schwestern des einstigen Drensteinfurter Marienhospitals. Und an deren Grabmälern ist das vergangene Jahrhundert nicht spurlos vorübergegangen. Lediglich an zwei Grabsteinen sind noch Inschriften erkennbar. Eines gehört zum Grab des einstigen Pfarrers Jülkenbeck (s.u.). Das zweite zur Ruhestätte von Pfarrer Gottfried von Bockum -Dolffs (1863 bis 1936).
Mit seinem nun fertiggestellten Modell des einstigen Friedhofs will Bastler und Heimatfreund Günter Koch ein Zeichen setzen. „Über dem ehemaligen Friedhof, der heute zu einer einfachen Parkanlage geworden ist, weht ein Hauch der Vergangenheit. Aber auch der Wind des Vergessens“, so Koch, der bereits zahlreiche Modelle von historischen Bauwerken der Stadt Drensteinfurt gefertigt hat. Und der immer noch nach geeigneten Räumlichkeiten sucht, um sie der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Das Wasserschloss Steinfurt umgeben von einer Rundgräfte besteht aus einem Hauptgebäude (Herrenhaus), zur rechten ein Torhaus der Renaissance, sowie zur linken ein Nebengebäude das nicht so aufwendig errichtet wurde, zwei kleine Torhäuschen rechts und links des Schlosshofes die die Zufahrtsbrücke zum Schloss flankieren, einer Wassermühle und einer Remise, sowie dem zwei Hektar großen Schlosspark.
An der Stelle des heutigen Wasserschlosses stand bereits im 12. Jahrhundert eine Burg. Der Schlossneubau wurde als Wasserschloss mit Rundgräfte nach den Plänen vom Architekt Lambert Friedrich Corfey (1668-1733) an der Stelle des mittelalterliche Herrenhauses (1696-1709) für Johann Matthias Freiherr von der Recke in den Jahren 1704-1709 zur Sicherung zur Furt durch die Werse errichtet. Das über eine repräsentative Freitreppe zugängliche, zweigeschossige, symmetrisch angelegte Backsteingebäude erhebt sich über einem hoch auf gemauerten Bruchsteinsockel mit zwei kurzen Seitenflügeln an der Schaufassade. Ein Mittelrisalit mit seitlichen Pilastern und Dreiecksgibel lockert die Mittelachse der Fassade auf. Das Giebelrelief mit dem Wappen der Familie von der Recke (1710), dass von zwei Löwen gehalten wird, schuf der münsterische Bildhauer Heinrich Ansum. Ältester Teil der Schlossanlage ist das Torhaus der Renaissance im rechten Seitenflügel das zwischen 1585 bis 1591 an der Westseite der Schlossanlage errichtet wurde. Das Torhaus wurde mit einer farbig gemusterten Backsteinfläche aufgelockert, die von Rauten und Muschelaufsätze am Giebel angeordnet und den nordwestlichen Teil optisch hervorheben.
Im Jahr 1709 erfolgte eine Erweiterung des Torhauses im Zusammenhang mit dem Neubau des Herrenhauses, dass eine Rentmeisterei, Molkenhaus, die Wachstube der Burgmannschaft (Reisigenstube) beherbergte. Die ursprünglich Vorhandene Zugbrücke wurde im 18. Jahrhundert durch eine feste Brücke ersetzt. Die Gebäude, gegenüber dem Torhaus auf der anderen Seite des Schlosshofes, verdanken ihr einheitliches Aussehen der Überarbeitung durch den Baumeister Johann Fryse in den Jahren 1829/30. Im Kern stammen sie aus den Jahren 1580/90 und gegen 1630 dienten sie als Brauerei, die man noch durch die gewölbten Räume im Erdgeschoß erkennen kann. schlosstorhaus_heimatverein Die Tordurchfahrt war bis 1830 die einzige fahrbare Zufahrt zum Wasserschloss. Nach Abbruch des Brauhauses und der Verfüllung des nordwestlichen Trenngrabens wurde in Richtung der Mittelachse zum Herrenhaus zwischen 1829/30 eine neue Zufahrt geschaffen. Seitdem führt der Zugang über eine Backsteinbrücke mit „Kattenköppen" bedeckte Pflasterungen zum Schloss, die von zwei klassizistischen Torhäuschen flankiert wird. Die elegant geschwungene Bogenbrücke und die zwei Torhäuser mit Pilaster Gliederungen wurden vom Schinkel-Schüler Heinrich Johann Fryse, Stadtbaumeister in Krefeld, geschaffen. Die Dächer vom Schloss wurden 1944 durch Bombenangriffe schwer beschädigt. Weitere Schäden wurden zum Ende des Krieges durch Soldaten verursacht, die das Schloss verwüsteten und die Teile der Innenausstattung verbrannten. Ouelle: wikipedia.de, W. Bockholt, Heimatverein Drensteinfurt
Im Rahmen des 1175-jährigen Stadtjubiläums von Drensteinfurt präsentierte Dr. Klötzer rund 50 Teilnehmern das Schloss Steinfurt. Dabei handelt es sich um ein münsterländisches Wasserschloss, das von Gräften umgeben ist und in das die Werse integriert wurde. Das Herrenhaus wurde von Johann Matthias Freiherr von der Recke in den Jahren 1707 bis 1709 durch Lambert Friedrich Corfey erbaut, und zwar an der Stelle der mittelalterlichen Burg und des festen Hauses, die der Sicherung des Werse-Übergangs dienten. Der älteste Bereich der Anlage ist das Torhaus im rechten Seitenflügel aus dem Zeitraum 1583 bis 1591. Nach dem Tod seines Onkels Engelbert 1951 übernahm Ignatz-Wessel Freiherr von Landsberg-Velen das Familienerbe. Mit 30 Jahren zog er als Schlossherr nach Drensteinfurt und trat die Nachfolge auf Haus Steinfurt an. Später gelangte das Schloss an seine Tochter Marie-Antoinette, die es mit ihrem Ehemann Adolf Meran und der gemeinsamen Tochter bewohnte. Weitere Ausführungen betrafen den Schlosspark sowie den Wasserbär, der den Pegel der Gräfte regelte und in seiner Mitte durch einen turmartigen Pfeiler verstärkt war. Abschließend beschrieb er die Durchfahrt vom ehemaligen Brauhaus über die Gräftenbrücke zum Torhaus des Schlosses. Insgesamt war die Führung sehr lehrreich, auch wenn nicht alle Einzelheiten in der Tiefe vermittelt werden konnten, wie Dr. Klötzer sie darzustellen wusste.
Fotos:G. Münstermann
































Zwischen 1500 und 1803 waren insgesamt 6 Sägemühlen nachweisbar. Von der Nordpforte der Stadt Drensteinfurt, am Ufer der Werse, standen die Wassermühlen des adligen Hauses Steinfurt. Dazu gehörte fast hundert Jahre lang, zwischen 1620 und 1713 eine Sägemühle.
Durch die Errichtung der neuen Zufahrt führt der Weg seit 1830 von der Mühlenstraße an der zum Schlossbesitz gehörenden barocken Mühle mit einem Krüppelwalmdach vorbei, die vom Wasser der Werse betrieben wurde.
Mit Hilfe eines Mühlenrades wurde hier Getreide gemahlen. Neben der Wassermühle des Freiherrn von Landsberg stand eine Roßmühle, die bei wenig Wasserzufluß einen Mahlgang in Betrieb halten konnte. Der Mühlenantrieb wurde 1882 eingestellt, das Mühlrad mit dem hölzernen Überbau entfernt und durch eine Dampfmühle ersetzt. Der Bau von 1766 wurde in barocken Formen erneuert, der erstmals im Jahr 1595 errichtet wurde. Schwer beschädigt durch dem Krieg 1944 und durch einem Brand 1949 zerstört, wurde sie 1958 zu Wohnzwecken wieder aufgebaut. Auf der Brücke, direkt nördlich der Mühle, befindet sich in Richtung Schlossanlage zugewandten Seite eine Statue des hl. Nepomuk aus Sandstein.
Fotos:G. Münstermann




Die Neugestaltungen der Gartenanlagen auf beiden Inseln wurden bei der Neubauplanung im barocken Stil einbezogen. Der Bau der Orangerie (Oranienhaus) im Südgarten statue-nepomuk_heimatverein erfolgte 1715, das die Mittelachse des Schlosses bildete. Die Orangerie hinter dem Herrenhaus, sowie das 1627 erbaute Renaissance Türmchen im Kräutergarten wurden durch einen Bombentreffer 1944 zerstört und nicht wieder aufgebaut. Die Parkanlagen werden mit einer einer Backsteinmauer vom Schloss getrennt, die mit zwei gegossenen klassizistischen Toren von Torpfeilern flankiert und von Deckelamphoren aus Sandstein nach oben abgeschlossen werden.
Seit 1739 gehört die Schlossanlage Haus Steinfurt den Freiherren von Landsberg-Velen. Baron Ignatz-Wessel Freiherr von Landsberg-Velen starb im Oktober 2009 und vererbte das Schloss an seine Tochter Marie-Antoinette. Sie und ihr Ehemann, Adolf Graf von Meran, sind seit 2010 die neuen Schlossbesitzer. Die Nebengebäude die auch als Vorburg bezeichnet werden, sowie die Kellerräume des Herrenhauses werden als Wohnungen vermietet.
Das Schloss Steinfurt wird auch für die Schützenfestfeier der drei Schützenvereine genutzt. Einen besonderen Rahmen bilden der König und sein Hofstaat auf der Freitreppe, die sich hier den Schützenbrüdern präsentieren. Zu den Klängen der Musikkapellen bzw. Spielmannszug beenden alle drei Schützenvereine mit einem Zapfenstreich auf Haus Steinfurt die Polonaise zum Festzelt im Schlosspark. Das Schloss Haus Steinfurt befindet sich im Privatbesitz. Ouelle: wikipedia.de, W. Bockholt, Heimatverein Drensteinfurt
Versteckt steht Haus Venne hinter einer Baumallee an der Herberner Straße in der Bauerschaft Mersch ca. 4 km von Drensteinfurt entfernt. Bereits im 13. Jahrhundert wurde das Haus Venne erstmalig urkundlich erwähnt. Im Eigentum der Herren von Venne kam es im Besitz der Familie von Galen danach im Jahr 1574 gelangte es im Besitz an die Herren von Karthausen (Karthusen) und seit 1611 übernahm die Familie von Ascheberg das Besitztum. Aus einem ehemaligen Gräftenhaus im Fachwerkbaustil wurde von 1710 bis 1716 der Neubau einer barocken Gesamtanlage für Johann Matthias von Ascheberg und seine Gattin Elisabeth von Lipperheide nach Plänen des Architekten Lambert Friedrich Corfey errichtet. Die Schlossanlage selbst umfasst neben dem aus Backstein errichteten, zweigeschossigem Haupthaus mit Krüppelwalmdach auch vier vorgelagerte Nebengebäude, die den Schlosshof umrahmen.
Die Zwischengebäude wurden bei den Umbauten in den Jahren 1830 bis 1860 entfernt und durch Scheunentore zu den drei Nebengebäuden ersetzt. Das Gebäude mit einem Glockendachreiter das links neben dem Haupthaus liegt, beherbergt die 1716 fertiggestellte Kapelle "Mariä Himmelfahrt". Der Kapelleninnenraum wurde zwischen 1769/71 im Rokostil modernisiert. Nach der Planung von Johann Conrad Schlaun, Erbauer des Münsteraner Schlosses, des Schlosses Nordkirchen und zahlreicher weiterer bekannter Bauwerke wurde 1767 im Park hinter dem Haupthaus ein zweigeschossiges Gartenhaus errichtet, dessen achteckiger Hauptraum der Familie von Ascheberg als Gruftstätte d iente. Ein barockes Mühlenhaus mit einem Wirtschaftsgebäude steht östlich von Haus Venne und eine Figurengruppe des heiligen Antonius von Padua steht in der Gartenanlage des Anwesens. Seit 1860 erfolgten keine weiteren baulischen Veränderungen, jedoch wurden umfangreiche Restaurierungs- und Instandhaltungsarbeiten aus Verfallgründen am Haus Venne durchgeführt. Im Jahr 1936 gelang das Anwesen durch Heirat von .... von Ascheberg mit ... Dietrich im Familienbesitz, dass sie noch heute bewohnen und bewahren.
Von: Mechthild Wiesrecker - WA - Blauer Himmel über Haus Venne, warme Sonnenstrahlen, ein gepflegter Platz: Das Wasserschloss wirkt fast wie aus einem Märchen. Aus der Vogelperspektive ist zu erkennen, wie Gräften die gesamte Anlage umschließen. Seit über 400 Jahren ist das idyllisch gelegene Haus Venne im Familienbesitz. Am Sonntag bietet Schlossherr Adrian Dietrich anlässlich des Drensteinfurter Stadtjubiläums drei Führungen durch das historische Gebäude an. Für den WA hat er bereits vorab seine Türen geöffnet.
Bereits im 13. Jahrhundert wurde Haus Venne erstmals urkundlich erwähnt. Im Besitz der Familie von Ascheberg befindet es sich seit 1608. Die heutigen Gebäude wurden zwischen 1710 und 1716 nach Plänen des Architekten Friedrich von Corfey gebaut. In der Eingangshalle fallen alte Gemälde ins Auge, darunter auch eines der Anlage mit den früheren Wirtschaftsgebäuden. Daneben steht eine hölzerne Standuhr aus der Gründerzeit, und auch eine Truhe mit einem raffinierten Schließmechanismus im Deckel zieht die Aufmerksamkeit auf sich.
Von hier aus öffnet Adrian Dietrich die Tür zum ehemaligen Ahnensaal, dem heutigen Trausaal. Rote Stühle setzen einen deutlichen Kontrast zum stilvollen Ambiente. Unter den Augen zahlreicher Porträts geben sich hier jährlich 50 bis 60 Paare das Ja-Wort. „Hier hängen auch die Gemälde der Erbauer – meiner Großeltern mit siebenmal ‚Ur‘ davor“, sagt der Schlossherr schmunzelnd. Der Urgroßvater sei der letzte Freiherr von Ascheberg gewesen. Mit der Hochzeit seiner Tochter mit dem bürgerlichen Karl Dietrich änderte sich der Name der Schlossbesitzer. Heute lebt Adrian Dietrich hier mit seiner Frau Anke, den beiden Kindern Leandra und Amadeus sowie seiner Mutter Gertrud Dietrich.
Zu den ältesten Objekten im Haus zählt eine Bibel aus dem Jahr 1491 – sie ist allerdings nicht öffentlich zugänglich. Direkt neben dem Wasserschloss steht ein besonderes Schmuckstück: die 1715 erbaute Kapelle. „Wer hier zum ersten Mal hereinkommt, ist überrascht – so etwas erwartet niemand im Münsterland“, sagt Dietrich. Die kleine Barockkapelle würde man eher in Süddeutschland vermuten.
Wer hier zum ersten Mal hereinkommt, ist überrascht – so etwas erwartet niemand im Münsterland.
Neben der prachtvollen Wand- und Deckenbemalung und den verspielten Stuckverzierungen beherbergt die Kapelle eine alte mechanische Uhr, die stündlich und halbstündlich eine Glocke schlagen lässt. Einmal pro Woche muss das Uhrwerk mit einer Kurbel aufgezogen werden. Vor etwa 25 Jahren habe es mal einen Defekt gegeben, der jedoch vom Walstedder Ingenieur und Hobby-Historiker Helmut Winterscheid behoben werden konnte. Seitdem läuft sie zuverlässig – und, so versichert Dietrich: „sogar erstaunlich genau“.
Die Uhr habe sein Urgroßvater 1923 anlässlich seines Ausscheidens als Bürgermeister von Vredeburg geschenkt bekommen. Der Glockenturm sei wiederum vom alten Haus Venne abgebaut und auf die Kapelle gesetzt worden. Bis Anfang der 1980er-Jahre hielten die Padres aus Werne in der Kapelle, die der „Mariä Unbefleckte Empfängnis“ geweiht ist, sonntags die Messe für die Familie und die Merscher Bevölkerung.
Am Haupthaus entlang führt ein Weg durch den verwilderten Park. Wo einst ein barocker Garten angelegt war, wachsen heute wilde Veilchen und Buschwindröschen. Ein schmaler Pfad führt weiter in den Wald und endet an einem kleinen Gartenhaus, dem sogenannten Domherrenhaus. Das sechseckige, zweistöckige Gebäude verdankt seinen Namen Johann Mathis Detmar von Ascheberg, einem Domherrn am Dom in Münster, der es 1776 erbauen ließ. „Es wird vermutet, dass der Entwurf auf den Baumeister Johann Conrad Schlaun zurückgeht“, sagt Dietrich. Aus dem einstigen Sommerhaus ist heute ein Mausoleum geworden. Das verwunschene kleine Gebäude dient als Gruft und letzte Ruhestätte für den Urgroßvater und seine Familie.
Beim Blick von der Treppe des Haupthauses fällt die Lindenallee ins Auge. 2008 wurden hier 85 neue Linden gepflanzt, gefördert durch das Land, die in die alte Allee übergehen. Neben den Linden wachsen zahlreiche Eichen in Richtung Straße. Sie gelten als besonders klimaverträglich.
So verbindet Haus Venne bis heute Geschichte, Natur und gelebte Familiengeschichte – ein Ort, an dem Vergangenheit und Gegenwart ganz selbstverständlich ineinander übergehen.
Fotos:G. Münstermann


























Inzwischen hat Adrian Dietrich das Haus Venne von seinem Vater beerbt. Im Rahmen der 100-Alleen-Initiative der Landesregierung NRW ließ er 88 neue Sommerlinden vor dem Schloss Haus Venne pflanzen.
NRW-Ministerpräsident Dr. Jürgen Rüttgers (CDU), Landrat Dr. Olaf Gericke (CDU), Bürgermeister Paul Berlage und die Landtagsabgeordneten Reinhold Sendker (CDU), Berni Recker (CDU) und Dr. Stefan Romberg (FDP) waren zur Einweihung der Lindenallee gekommen. NRW-Ministerpräsident Jürgen Rüttgers pflanzte eine Sommerlinde und weihte damit die neue Allee ein. Als Geschenk brachte er einen kleinen Ahorn mit dem Namen "NRW-Baum" mit. In liebervoller Detailarbeit haben Adrian Dietrich und sein Team die Fassade und den Innenraum der Kapelle auf Haus Venne aufwändig restauriert. Das Haus Venne bietet eine schöne Ambiente, für die Polonaise der Georgsschützen, die im Sommer während des Schützenfestes hier entlang führt und die Standesamtlichen Trauungen mit absoluten tollen Fotoshootings. Für die standesamtliche Trauungen haben die Schlossbesitzer, Adrian und Anke Dietrich den Ahnensaal mit Bildern ihrer Urgroßväter an der Wand und mit 30 rotbezogene Stühlen im Erdgeschoss hergerichtet. Das Haus Venne befindet sich im Privatbesitz. Ouelle: wikipedia.de, W. Bockholt, Heimatverein Drensteinfurt