19.02.2020
Heimatverein erforscht Kneipenhistorie - Teil 6 Weiterlesen…
Kulturgut und ein Stück Vielfalt in der Drensteinfurter Gastronomie-Landschaft sind verloren gegangen. Im Heimatverein hat sich der Arbeitskreis „Kneipenkultur in Stewwert – ehemalige Gaststätten in Drensteinfurt“ gebildet.
Ziel ist es, die Geschichte der Drensteinfurter Kneipen vom Ende des Zweiten Weltkrieges bis in die heutige Zeit in Wort und Bild zu dokumentieren. Neben den geschichtlichen und architektonischen Fakten möchten wir auch die handelnden Personen als Besitzer, Pächter und Gäste vorstellen.
Abgerundet mit Geschichten, besonderen Ereignissen und einem Schuss westfälischem Humor wollen wir versuchen, ein gesammeltes Werk Stewwerter Kneipenkultur und ihrer Menschen zu schaffen.
Fotos: G. Münstermann




Heimatverein erforscht Kneipenhistorie - Teil 6 Weiterlesen…
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Heimatverein erforscht Kneipenhistorie - Teil 1 Weiterlesen…
- - Referenten: Ludger Wienkamp, Waltraud Havers
Bericht: VON MECHTHILD WIESRECKER - Fotos: G. Münstermann, M. Wiesrecker, Waltraud Havers und Ludger Wienkamp
Fast 100 Zuhörer tauchen ein in die Geschichten dreier Kneipen.
Drensteinfurt – Zur sechsten Veranstaltung „Kneipenkultur in Stewwert“ hatte der Heimatverein am Mittwochabend in die Alte Post eingeladen. Fast 100 Interessierte waren gekommen, um mehr über die Geschichten rund um die ehemaligen Gaststätten „Westfälischer Hof“, den Gasthof „Zum Wildschwein“Baggelmann-Havers in Mersch und das Haus Averdung zu erfahren.
Es ist kein Wunder, dass die Vortragsreihe rund um die Kneipenkultur mittlerweile ein Selbstläufer ist. Die Historie und die Geschichten der längst vergessenen oder aktuellen Kneipen sind nicht nur unterhaltsam, sondern auch eine echte Geschichtsstunde.
Verantwortlich dafür sind die Referenten, die sich in langwieriger Recherche durch Archive und Kirchregister gearbeitet und so manche Gespräche mit Zeitzeugen geführt haben.
Ludger Wienkamp, der bei jedem Vortrag als Referent dabei ist, ist es ein echtes Anliegen, die Historie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. „Mein Traum ist es, die Stadtgeschichte und auch Kneipenkultur multimedial zusammenzufassen, damit nichts verloren geht“, sagt er. Dankbar sei er Stadtarchivar Dr. Ralf Klötzer, der ihm die Möglichkeit eröffnet habe, im Stadtarchiv zu forschen. In seinem Vortrag am Mittwoch stellte er das Gasthaus „Westfälischer Hof“ vor. Direkt am Marktplatz sei die Gaststätte ein zentraler Punkt im Ort gewesen. Anhand zahlreicher Fotos und Dokumente gab er einen guten Einblick in das gemütliche Leben vergangener Zeit. Wehmut kam auf angesichts des damaligen Marktplatzes. „Es gab keine Baulücken und die Gebäude passten gut zueinander“, sagte Ludger Wienkamp. Versöhnlich stellte er fest: „Nichts bleibt, wie es war, aber Veränderungen sollten mit Augenmaß vorgenommen werden.“
Mit dem Ehepaar Hubert und Ria Jedani waren sogar die ehemaligen Besitzer des „Westfälischen Hofes“ anwesend, der 1972 abgerissen wurde. Diese betrieben nebenan eine kleine Brennerei die aber später in die Bauerschaft Eickendorf ausgesiedelt wurde und seit 2013 nicht mehr in Betrieb ist. Heute befindet sich an der Stelle der ehemaligen Gaststätte eine freie Fläche genannt (kleiner Marktplatz ) und an der ehemaligen Brennerei die Sparkasse.
Mit Waltraud Havers stellte zum ersten Mal eine Frau eine Gaststätte vor. Dies lag nicht nur daran, dass sich die Gaststätte „Zum Wildschwein“ im Besitz der Familie Havers befand, sondern auch an den vielen Aktivitäten der Hobbyhistorikerin innerhalb des Heimatvereins. Die Geschichte des Gasthofs „Zum Wildschwein“ in Mersch, die Waltraud Havers bis ins kleinste Detail recherchiert hatte, reicht lange zurück. Von 1608 bis 1860 wurde das Gasthaus Böcker am Standort Schlieks Kuhle „Soetes Eck“ betrieben. 1860 baute der damalige Besitzer das Gasthaus neu am Merscher Bahnhof.
Es folgten ein Neubau nach einem Brand im Jahr 1926, ein Saal wurde angebaut und 1970 im alten Kuhstall eine Kegelbahn errichtet. Nach der Renovierung von Wirtschaft und Saal 1991 blieb die Gaststätte unter Pächter Ohlmeier als Partyservice für gemietete Veranstaltungen bis 2017 geöffnet.
Ganz klar stellte Havers in ihrem Vortrag heraus, wie bedeutend das Gasthaus für den Ort Mersch gewesen war. „Es war die einzige Gaststätte, hier trafen sich Familien und Vereine“, sagte sie. Das gesamte dörfliche Leben habe sich in der Kneipe abgespielt. Dorfbewohner und Gaststättenbesitzer waren dort wie eine große Familie. Darum habe es besonders wehgetan, die Gaststätte zu schließen. „Aus wirtschaftlichen Gründen war das nicht anders möglich“, bedauerte sie, auch wenn jetzt im Ort etwas fehle.
“Der Gasthof ,Zum Wildschwein’ war die einzige Gaststätte in Mersch, dort trafen sich Familien und Vereine.”
Zu guter Letzt stellte Wienkamp noch Haus Averdung vor. Die Gaststätte am Ladestrang befindet sich seit 1905 im Besitz der Familie Averdung. In den Anfängen seiner Geschichte war das Gasthaus unter dem Namen „Gasthof zur Bahn“ bekannt, da es ein beliebter Treffpunkt der Bahnarbeiter war. 1928 wurde zusätzlich eine Kornmühle gebaut, die bis Ende der 60er Jahre in Betrieb war. 1974 bekam Averdung eine erste Kegelbahn, 1990 kam eine zweite Bahn hinzu.
Seit 2004 befindet sich die Gaststätte Averdung in den Händen von Bernhard Averdung und seiner Ehefrau Beate. Über Jahre hinweg hat sich die Gaststätte zum beliebten Treffpunkt für Stewwerter Vereine entwickelt. Die Kegelbahnen werden bis heute gut genutzt.
Fotos: G. Münstermann




















- - Referenten: Heinz Töns, Ludger Wienkamp, Paul Fels
Bericht: VON MECHTHILD WIESRECKER - Fotos: G. Münstermann
Am Mittwoch hatte der Heimatverein Drensteinfurt zu einem weiteren Abend zu dem Thema „Kneipenkultur in Stewwert“ in der Alten Post eingeladen. Über 80 Zuhörer waren der Einladung im voll besetzten Saal in der Alten Post gefolgt.
Drensteinfurt – Rappelvoll war es am Mittwochabend in der Alten Post. Bereits zum fünften Mal hatte der Heimatverein zu einem Vortrag über die Kneipenkultur in Stewwert eingeladen. Wer von Anfang an dabei war, konnte feststellen, dass die Zahl der Zuhörer von Vortrag zu Vortrag größer geworden ist. Am Mittwochabend standen nicht nur längst vergessene Kneipen, sondern auch noch bestehende Gaststätten auf dem Programm.
Paul Fels eröffnete als erster Referent den Abend mit einem Rückblick auf das ehemalige Pavillon und heutige Schlossbistro, in dem in seinen Spitzenzeiten bis zu 100 Personen in der Außengastronomie Platz fanden. Unter einem dafür extra angefertigten Schirm fanden bis zu 60 Gäste Schutz vor Regen. Das Pavillon habe eine wechselvolle Geschichte durchlebt. Nicht durchgeführte Renovierungen und eine teure Pacht machten den Betreibern das Leben schwer. „Der Durchbruch für den jetzigen Pächter kam 2015 mit dem Ausschank von Fassbier“, erklärte Fels schmunzelnd. Heute sei im Schlossbistro immer was los, und seine Pächterin Ulla Klimas habe versprochen: „Ich mach’ die zehn Jahre voll“.
Heinz Töns berichtete von der ehemaligen Wirtschaft Theodor Debbelt, die direkt am Kirchplatz lag. Die Erinnerung an den Gastraum, eigentlich eine Wohnstube, in der keine Theke, aber ein Sofa stand, amüsierte die Anwesenden. „Schön war es“, erinnert sich Töns. Debbelt habe Klavier gespielt und mit den Gästen gesungen. Und wenn man die zweite Runde haben wollte, musste Frau Debbelt losgehen, um von der Gaststätte Hagedorn Nachschub zu holen. Trotzdem sei es Anlaufpunkt für die Hochamtsbesucher gewesen. Vor 50 Jahren wurde die Wirtschaft Debbelt geschlossen – was Töns mit den Worten kommentierte: „Es ist ein armes Volk, das seine Kneipiers nicht mehr ernähren kann.“
Die Geschichte des Hammer Paot, der sich im Laufe der Jahre von einem Wohnhaus in eine schmucke Gaststätte verwandelt hat, hatte sich Ludger Wienkamp vorgenommen. Ausgehend von den ersten Besitzern, einem Ehepaar aus Albersloh, arbeitete er sich durch sechs Pächter bis zu den siebten und aktuellen Pächtern Raphaela und Sven Feseler vor: „Heute herrscht hier westfälische Gemütlichkeit pur.“
“Es ist ein armes Volk, das seine Kneipiers nicht mehr ernähren kann.”
Mit einer Zeitreise führte Paul Fels den unterhaltsamen Abend nach der Pause weiter. Fesselnd nahm er die Zuhörer mit zum Centralhof oder „Kabarettken“ Mittendorf, das einst auf dem Marktplatz stand. „Versetzt euch in die 60er Jahre“, bat er. Dann wanderte er bildhaft durch die einstige Kneipe und beschrieb dabei jedes Detail. Für die Anwesenden war das ein geniales Kopfkino. Er erinnerte daran, dass Mittendorf mit seinem PräservativAutomat extrem fortschrittlich war und daran, dass im Centralhof schon Langnese die Eis verkauft wurde, als selbst Horst Salzwedel dieses Eis nicht im Sortiment hatte. Besonders schön war die Erinnerung an die verschiedenen Charaktere, die einst durch die Kneipenlandschaft wanderten. So manche Anekdote sorgte für Erheiterung. Nach 38 Jahren Betrieb durch den immer gleichen Pächter Mittendorf wurde das Kabarettken geschlossen.
„Die Bahnhofsgaststätte ist spät gekommen und früh gegangen“, stellte Töns fest. Zudem konnte sie sich nicht als Anlaufpunkt für Pohlbürger etablieren. Die Gaststätte am Bahnhof schloss vor 50 Jahren ihre Tore. Heute steht dort der Kulturbahnhof. Gut zwei Stunden dauerte die Erinnerung an die alte Zeit, zu der neben den Besuchern auch ehemalige und aktuelle Pächter gekommen waren.
Fotos: G. Münstermann


















- - Referenten: Heinz Töns, Ludger Wienkamp, Paul Fels und Heinz-Josef Voß
Interessanter Abend zur Stewwerter Kneipenkultur - Bericht: Franz-Josef Naber und Ludger Wienkamp - Fotos: Norbert Unkhoff
Am Mittwoch hatte der Heimatverein Drensteinfurt zu einem weiteren Abend zu dem Thema „Kneipenkultur in Stewwert“ in der Alten Post eingeladen. Über 80 Zuhörer waren der Einladung im voll besetzten Saal in der Alten Post gefolgt.Nach der Begrüßung durch den Vorsitzenden Franz-Josef Naber stellte Heinz-Josef Voß die Gaststätte seiner Eltern - Anne und Josef Voß - das „Landhaus Eickendorf“ vor. Anne Voß, die bereits auf ihrem Heimathof Erfahrungen in einer Gaststätte gesammelt hatte, kümmerte sich in der Küche um das leibliche Wohl der Gäste, während ihr Mann Josef als Wirt das Bier ausschenkte. Viele Jahre war das „Landhaus Eickendorf“ eine Anlaufstelle für Jung und Alt - ob Hochzeiten, Kommunionfeiern oder für andere Familienfeiern. Leider mussten die Eheleute Voß ihre Gaststätte im Jahr 1975 aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Neben vielen Anekdoten wurde ein Streich besonders erwähnt: der Pkw eines Gastes wurde vor der Gaststätte „aufgebockt“; beim Verlassen der Gaststätte bemerkte er dies jedoch nicht und wollte „durchstarten“. Die Lacher standen natürlich hinter den Fensterscheiben und amüsierten sich köstlich.
Ludger Wienkamp stellte danach die Gaststätte „Zur Breemühle“ an der Sendenhorster Straße vor. Nach einer wechselvollen Entwicklung von einer Getreidemühle und einem Sägewerk entwickelten die Eigentümer Schwaag, Klaverkamp und Wessel den Betrieb zu einem leistungsstarken Unternehmen für Furniere und Baustoffe. Gleichzeitig betrieb man eine Gaststätte, die nach der alten Flurbezeichnung Breede und der dort ehemals gestandenen Windmühle den Namen „Zur Breemühle“ erhielt. Zeitzeugen, wie Frau Maria Ottensmann, die als junges Mädchen dort eine Ausbildung zur Hauswirtschafterin absolvierte, berichtete von berauschenden Tanzabenden und dem typisch westfälischem Humor der Gäste. Noch heute zeugen der intakte Kamin, die bunten Glasmalereien und das noch vorhandene Geschirr mit dem goldenen Namenszug „Zur Breemühle“ von einer glanzvollen Geschichte dieser beliebten Gast- und Gartengaststätte.
Heinz Töns präsentierte anschließend die im Rahmen der Stadtsanierung abgebrochene Gaststätte „Volkmar“ . Diese befand sich an der Wagenfeldstraße – am heutigen Standort des Frisörgeschäftes Diening. Als Stammkneipe der Stewwerter Paohlbürger war sie auch berühmt für die selbst gefertigten „Töttchen“ des Wirtes Werner Volkmar. Viele politischen Themen vom Protonenbeschleuniger über den geplanten Großflughafen und dem Münsterlandring wurden hier umfassend diskutiert und so endete mancher Frühschoppen in einem ausgiebigen Dämmerschoppen. Politik muss nicht immer ganz trocken sein.
Anfang der 50er Jahre wurde der „Kayser Hof“ von Gertrud und Alfred Kayser im Viehfeld erbaut, so berichtete Paul Fels. Nach dem Wechsel mehrerer Wirte übernahm Marlies Reidel im Jahr 2008 die „kleine Kneipe“ an der Bürener Straße. Am 25.03.2018 wurde auch hier das letzte Bier gezapft. Der Kayser Hof war immer eine Hochburg der örtlichen SPD und Treffpunkt der gesamten Nachbarschaft. Alfred Kayser war weit über die Grenzen Drensteinfurts für seine 1/2 Hähnchen bekannt und viele Anwesende erinnerten sich gerne an das sonntägliche Festessen zurück. Berühmt war der Kayser Hof aber auch bei den damaligen Maurern für die Auszahlung des Schlechtwettergeldes im Winter. Bei Frost konnten die Maurer eine Ausgleichszahlung als sogenanntes „Schlechtwettergeld“ beantragen. Einmal in der Woche war dann ein Mitarbeiter des Arbeitsamtes anwesend und zahlte das Schlechtwettergeld in der Kneipe aus – wie praktisch! Viele Jahre wurde der Kayser Hof als Wahllokal genutzt und anschließend Sieg oder Niederlage kräftig gefeiert! Heute zeugt nur noch eine große Baugrube von der damaligen Existenz dieser einmaligen Gaststätte
Die ehemalige Gaststätte „Wiggermann“ in der Kurzen Straße stelle abschließend Paul Fels vor. Bekannt waren der Eigentümer Bum-Wiggermann und der Gastwirt Paul Havers. Schon kurz nach dem Krieg wurden wieder zahlreiche Karnevalsfeste gefeiert. Auch die Gründung einer Thekenmannschaft fand in diesen Räumen statt. Das besondere an der Gaststätte aber war, dass auf der Kegelbahn die Kegel noch mit der Hand aufgestellt werden mussten. Für viele Jugendlichen der DJG (Drensteinfurter Jugendgemeinschaft) waren der Saal und die dortigen Veranstaltungen ein Teil ihrer unbekümmerten Jugend. Anfang der 80er Jahre wurden die Räumlichkeiten zu einem Ladengeschäft und Wohnungen umgebaut.
Alle Vorträge wurden mit vielen alten Bildern und Geschichten untermalt und die Zuschauer konnten manche Person auf den zahlreich gezeigten Fotos erkennen und es wurde herzhaft gelacht. Es kam schon ein wenig Wehmut auf, welch interessantes und abwechslungsreiches Kneipenleben einst in unserem schönen Städtchen Stewwert vorhanden war!
- - Referenten: Heinz Töns, Ludger Wienkamp, Paul Fels
Amüsanter Abend zur Stewwerter Kneipengeschichte. Bericht -sre- WN
Auch wenn es heute kaum noch den Anschein hat: Die Stadt Drensteinfurt war einst reich an Gaststätten und Kneipen. Und mit ihr an Geschichten, Anekdoten und Feiern, die noch manchen Paohlbürger gut in Erinnerung sein dürften.
Um sie nicht in Vergessenheit geraten zu lassen, beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe des Heimatvereins seit geraumer Zeit mit der „Stewwerter Kneipenkultur“. In dieser Woche hatten Paul Fels, Heinz Töns und Ludger Wienkamp vom Arbeitskreis „Gaststätten in Stewwert“ zum dritten Info-Abend eingeladen, um rund 80 interessierten Bürger weitere Ergebnisse zu präsentieren. Zum Auftakt ging es um den vor einigen Jahren geschlossenen Gasthof „Zur Werse“, der eins von Josefine Osthues erworben worden war und von dem Paul Fels einige haarsträubende Geschichten zu erzählen wusste. So auch die vom Geist im Plumsklo, der sich am Ende als Katze entpuppte. Fels erinnerte daran, dass in der Kneipe einst eigenes Bier gebraut wurde, und dass im Haus eine Schmiede untergebracht war. „Im Werse-Gasthof wurde geschlachtet, gewurstet und Schnaps gemacht.“ Am Ende waren es Elli und Hans Albers, die den Gasthof 31 Jahre als Pächter betrieben, ehe er endgültig seine Tore schloss. Weiter hatte Fels Dokumente und Fotos der Gaststätte von Clemens Lackhoff, die später mal zur Pizzeria von Pasquale Natale umfunktioniert worden war und heute ein Wohnhaus ist, erforscht.
Ludger Wienkamp berichtete schließlich über die einstige „Tannenklause“ und stellte dabei Edith und Alfred Leschnikowski in den Mittelpunkt, die die Gaststätte von 1970 bis 1978 betrieben hatten. Wienkamp lobte dabei das Engagement des einstigen Kneipenwirts, der zudem viele Jahre als Musiker und Hauptmann der Bürgerschützen aktiv war. Für überraschte Blicke sorgten einige Sprachaufzeichnungen von Uwe Leschnikowski, der an dem Abend nicht dabei sein konnte. Ihm waren als Sohn einige Erlebnisse besonders in Erinnerung geblieben, unter anderem, dass seine Mutter acht Jahre lang täglich mehr als 40 Frikadellen für die Gäste gebraten habe, die immer reißenden Absatz gefunden haben.
Heinz Töns erinnerte an die Kneipe Hagedorn, die zwar im Schatten der Kirche stand, aber genügend Gäste anlockt habe - vor allem zum Kartenspielen, während Hund „Wisky“ hinter der Theke wachte. Besonders angetan hatte es Töns die einstige Kneipe Fels am Honekamp, die von zahlreichen Vereinen genutzt wurde und in der Maria, Monika und Annegret hinter der Theke wie ein „Magnet“ die Gäste angezogen hätten. Bei Pächter Lothar Hänel war immer was los, sinnierte Töns, so auch eine spontane Verlobungsfeier an einem Sonntagabend mit Gardinenringen als Verlobungsringen. Drei Stunden dauerte die lebendig gehaltene Erinnerung an Stewwerter Originale mit Spitznamen wie „Flipper“, „Trödler“ oder „Legionär“. Den Zuhörern gefiel es, sie halfen mit, Personen auf den Fotos zu erkennen und steuerten nur zu gern neue Fakten hinzu. „Schön war die Zeit“, hieß gleich mehrfach aus den Reihen der Gäste.
Fotos: G. Münstermann









- - Referenten: Heinz Töns, Ludger Wienkamp, Paul Fels
Am Donnerstagabend hatte der Heimatverein Drensteinfurt zu einem weiteren Vortrag zu dem Thema „Kneipenkultur in Drensteinfurt“ in die Alte Post eingeladen. Mehr als 50 interessierte Zuhörer waren gekommen, um Interessantes über ehemalige Gaststätten zu erfahren. Nach der Begrüßung durch Franz-Josef Naber referierte zunächst Paul Fels über die ehemalige Gaststätte „Fels an de Poat“. Im Jahr 1878 wurde die Gaststätte von Johannes Fels und seiner Ehefrau Maria Anna Reinert errichtet. Am 23.03.1944 wurden die Gebäude durch Bomben stark beschädigt. Im Jahr 1964 erfolgt eine Renovierung. In der Zeit vom 1968-1974 war die Gaststätte verpachtet. Am 06.01.1975 wurde die Gaststätte an Marianne und Theodor Nettebrock übertragen. Nach fast 100 Jahren wurde der Gaststättenbetrieb eingestellt und das Gebäude abgerissen. An Hand von alten Fotos, die Marianne Nettebrock zur Verfügung gestellt hatte, wurden viele ehemalige Gäste wieder erkannt. So ist auch eine Begebenheit auf einem Foto festgehalten, in dem der Vater von Theodor Nettebrock gewettet hatte, dass er mit einem Pferd in der Gaststätte um den großen Tisch im Schankraum reiten würde. Er lieh sich das Pferd von Heinz Kroos, ritt in die Kneipe und hatte die Wette gewonnen. Auch die Zapfhähne der Gaststätte wurden präsentiert.
Nach diesem Vortrag stellte Heinz Töns den Münsterländer Hof auch heute genannt „Mü“ vor. Das Entstehungsjahr des Münsterländer Hofes ist auf das Jahr 1651 datiert. Das Jahr ist in einer Inschrift auf einem Balken an der Vorderfront des Hauses festgehalten. Besonders erwähnenswert und Mittelpunkt der Gaststätte war und ist ein großer Kaminofen. Die Gaststätte wurde zunächst von dem Eigentümerehepaar Woeste betrieben und in den siebziger Jahren danach verpachtet. Die Nutzung änderte sich insoweit, dass die Gaststätte früher als Restaurant genutzt wurde - in die letzten Jahre vor allem ein Treffpunkt für Jugendliche ist. Ludger Wienkamp hatte sich zum Schluss den Gasthof und das Brauhaus „Bultmann“ vorgenommen. Der Gasthof Bultmann wurde als Restaurant und Hotel genutzt und verfügte über einen Saal sowie eine Kegelbahn. Der Gasthof wurde bis zum Jahr 1997 von Hedwig und Bernhard Bultmann betrieben. 1969 erfolgte ein Umbau der Gaststätte. 1997 wurde der Betrieb an Ingrid und Werner Isenberg übergeben und seit dem Jahr 2007 folgten mehrere Pächter. Im Dezember 2016 wurde die Gaststätte geschlossen und das Gebäude inzwischen abgerissen. Die Gaststätte Bultmann war ein Begriff in Drensteinfurt. Sie war das Gründungs- und Vereinslokal des ehemaligen BVD im Jahre 1910. Im Saal befand sich ein Kino das „Losto-Filmtheater“, welches durch die Herren Lomberg und Storch aus Sendenhorst betrieben wurde. Auch fand im Jahr 1946 mit der Tanzschule Debbelt ein Tanzkursus auf dem Tanzboden der Gaststätte Bultmann statt. Eine entsprechende Festzeitschrift liegt vor. Zahlreichte Klassentreffen und Hochzeiten fanden bei Bultmann statt. Besondere Heiterkeit erregten zwei Fotos des Kegelclubs „Böse Buben“ aus dem Jahr 1931 während der Karnevalszeit. Auf vielen Fotos wurden Gäste wieder erkannt. Der besondere Dank gilt Sigrid von Looz, die eine umfangreiche Bildsammlung zur Verfügung gestellt hatte. Alle Anwesenden waren begeistert und freuen sich auf die Fortsetzung der Veranstaltungsreihe am 25. Oktober 2018.
Fotos: G. Münstermann






- Referenten: Franz-Josef Naber, Heinz Töns, Ludger Wienkamp, Paul Fels
Bericht: Holger Martsch - Sie haben eine lange – und interessante – Geschichte. Die sich einige Drensteinfurter Heimatfreunde nun vornehmen. In dieser Woche fand der erste Info-Abend zur Drensteinfurter Kneipengeschichte statt.
Einst gab es zahlreiche Kneipen in Drensteinfurt. Der Kneipenbesuch war nicht selten regelmäßiger Teil des Tagesablaufs, jedenfalls für etliche Männer. „Wenn der Schmied am Feierabend den Hammer fallen ließ, begab er sich in die nächste Kneipe,“ berichtete Heinz Töns, einer der Referenten des ersten Vortragsabends zur Drensteinfurter Kneipenkultur, zudem der Heimatverein in die Alte Post eingeladen hatte. Kein Wunder: Denn die harte Arbeit hatte mächtig Durst gemacht. Kaffee und Wasser hatte man tagsüber getrunken. Zur Entspannung musste ein frisch gezapftes Bier her, bevor man nach Hause ging. Außerdem wurden die Neuigkeiten des Tages ausgetauscht und besprochen.
Drensteinfurter Kneipen waren neben ihrer Eigenschaft als Treffpunkt für Geselligkeit auch Orte der Kommunikation, Versammlungsorte des Vereinswesens, Räumlichkeiten für Familienfeiern und noch viel mehr. Das Beispiel des Kolpinghauses zeigt es: Dort wurde auch Theater gespielt. Im großen Saal wurde gefeiert und den Jugendlichen Tanzen und gutes Benehmen beigebracht. Dabei waren die ersten Jahre des Kolpinghauses alkoholfrei, ganz im Sinne des Gründervaters Adolf Kolping. Später genehmigte man älteren Jugendlichen, eine Flasche Bier zu trinken, heißt es im Bericht der Heimatfreunde. Ein finsteres Kapitel deutscher Geschichte spiegelt sich auch in der Drensteinfurter Kneipengeschichte wider: Auf dem Dachboden des später abgerissenen Westfälischen Hofs an der Ecke Markt, Mühlen- und Münsterstraße) kamen in der Nazi-Zeit NSDAP-Anhänger und Funktionäre zusammen und hatten den Raum mit einem „Hitler-Kultaltar“ ausgestattet. Dieser war drapiert mit Führerbild und Hakenkreuzfahnen, wie ein in der Diaschau präsentiertes Foto erschreckend illustrierte.
Die Glanzzeit des ehemaligen Hauses Wietheger – besser bekannt als „Hotel zur Post“ – ist eng verbunden mit einer Persönlichkeit: der fröhlichen Wirtin Maria, die niemals geheiratet hatte und stets in frisch gestärkter blütenweißer Kittelschürze präsent war, so der Heimatverein. „Wenn wir rein kamen, strahlte Maria“ berichtete Paul Fels. Und Maria spendierte der Stammtischrunde sonntags dann gerne auch mal einen Schnaps „auf Kosten des führenden Hauses am Platze“.
Nach dem Tode von Maria Wietheger 1985 ging es Stück für Stück bergab mit dem Haus. Der Hotelbetrieb wurde eingestellt. Und schließlich wurde der Betrieb ganz geschlossen. Es folgten der Ankauf durch die Stadt und ein verhinderter Abriss. Denn schließlich hatte ein Denkmalexperte festgestellt, dass es sich bei dem Gebäude in seiner Grundstruktur um ein aus dem Jahre 1632 stammendes westfälisches Hallenhaus handelt. Es war mitten im Dreißigjährigen Krieg als Übernachtungsmöglichkeit für durchreisende Händler und Geschäftsleute errichtet worden.
Geschichten mit eigenwilligen, schrägen Typen ranken sich um die ehemalige Drensteinfurter Kneipenszene“, schreibt der Heimatverein. „So wurde zum Beispiel von einem Schrotthändler berichtet, der nach dem Kneipenbesuch oft nicht mehr in der Lage war, sein Pferdefuhrwerk nach Hause zu lenken. In solchen Fällen brauchte er seinem geduldigen Pferd nur zu sagen ,Lotte, bring mi noa hus hen‘ – und die Stute brachte von ganz alleine Mann und Fuhrwerk souverän bis vor die Haustür.“ Ein anderer betrunkener Kneipenbesucher wurde nachts mit seinem Fahrzeug von der Polizei angehalten und nach Alkoholgenuss gefragt, erfuhren die Gäste in der Alten Post. Ja, er habe etwas getrunken, räumte er ein. Dennoch sei er aber topfit und fahrtüchtig. Dies wolle er mit einem Kopfstand auf der Straße beweisen. Die Polizisten willigten ein. Der Fahrer vollführte den Kopfstand und durfte weiterfahren. Später in der Stammtischrunde gebeten, ob er den Kopfstand noch mal zeigen könne, gab er zu: „Normalerweise kriege ich den nur hin, wenn ich sturzbesoffen bin.“
Manfred Blanke, Paul Fels, Franz-Josef Naber, Heinz Töns und Ludger Wienkamp bilden das Quintett, das sich die Erarbeitung der Drensteinfurter Kneipengeschichte auf die Fahnen geschrieben hat. Die zahlreich erschienene Zuhörerschaft in der voll besetzten Alten Post zeigte mit begeisterten Applaus, dass die fünf sich mit einem Thema beschäftigen, an dem offensichtlich reges Interesse besteht. „Wir dürfen uns auf die im kommenden Jahr folgenden weiteren Vorträge freuen“, so der Heimatverein.
Fotos: G. Münstermann








